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All is lost > Programmrückschau

KEYNOTE UND RESPONSE

10 Milliarden – Haben wir noch eine Chance?

Mit einer provokanten Bilanz zum Zustand unseres Planeten rüttelte der Computerwissenschaftler und Leiter eines Microsoft-Labors, Stephen Emmott, seine Zuhörer am Royal Court Theatre auf: ein resignierter, auf verdichteten Fakten beruhender Monolog über die Zukunft der Menschheit. Der Vortrag erschien als Buch und löste in England eine große Debatte aus: Was können wir tun, damit unsere Erde für 10 Milliarden Menschen genügt? „I think we are fucked,“ fürchtet Emmott. Ist bereits alles verloren — oder haben wir doch eine Chance?

Ein ehrliches Gespräch mit einem Wissenschaftler, der hofft, dass er sich irrt. Liegt in der Krise die Lösung? „Die Menschen sind nun einmal extrem robust,“ sagt der Demographieforscher Reiner Klingholz. Er ist trotz der enormen Herausforderungen, die vor uns liegen, optimistisch: in seiner Antwort auf Emmott zeigt er, wie wir eine Chance haben, das 21. Jahrhundert lebenswert zu gestalten: „Wir haben nur dann eine Zukunft, wenn wir lernen, das Schrumpfen zu lieben.“

KEYNOTE

Stephen Emmott (UK) sucht nach Antworten auf fundamentale Probleme unserer Zeit: Er verantwortet als Leiter des Microsoft-Forschungslabors für Computational Science weltweit führende interdisziplinäre Forschungsprojekte und lehrt in Oxford.

RESPONSE

Reiner Klingholz ist Direktor des „Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung“, einer Denkfabrik, die sich mit Fragen und Folgen des demographischen Wandels beschäftigt. In seinem Buch „Sklaven des Wachstums“ sucht Klingholz nach Wegen, Schrumpfungsprozesse als Chance zu sehen.

MODERATION
Mathias Greffrath ist Schriftsteller und Journalist. Er veröffentlichte Bücher über Attac und Montaigne und schreibt für DIE ZEIT, die Tageszeitung und Le Monde Diplomatique.

KEYNOTE UND GESPRÄCH

Freiheit, Staat und die Zukunft Europas​

Wie werden Deutschland und Europa fit für die Stürme des 21. Jahrhunderts? Brauchen wir ein neues sinnstiftendes Narrativ, einen europäischen Bundesstaat — oder Bürger, die mehr auf ihre Eigenverantwortung vertrauen als auf „Vater Staat“? Wie gelingt uns ein auf Freiheit, Wohlstand und Solidarität gründendes starkes Europa? Auf die Keynote von Kurt Biedenkopf folgt ein Gespräch mit der Politologin Ulrike Guérot, die gemeinsam mit dem Schriftsteller Robert Menasse das „Manifest für die Begründung einer Europäischen Republik“ geschrieben hat.

PERSONEN

Der Wirtschaftsrechtler Prof. Dr. Kurt Biedenkopf war nach wirkungsreicher universitärer Arbeit einige Zeit in der Industrie und viele Jahre auch politisch in hohen Positionen tätig — als Generalsekretär der CDU, als Bundestagsmitglied und als Ministerpräsident von Sachsen (1990-2002). Als einflussreicher Ideengeber und Analytiker regt er immer wieder politische und gesellschaftliche Debatten an.
Dr. Ulrike Guérot ist Politologin und Leiterin des „European Democracy Lab“ in Berlin, das sich aktuell mit der Zukunft der europäischen Demokratie beschäftigt. Sie sieht in der Idee einer europäischen Republik das schönste, ambitionierteste und nobelste Projekt unserer Zeit.

MODERATION

Kathrin Erdmann betreut den Bildungsreport von NDR Info und arbeitet als freie Moderatorin. Sie erhielt den Deutschen Radiopreis in der Kategorie Reportage.

DISKUSSION

Die ersten Cyborgs – Erschaffen wir den „neuen“ Menschen?

Google Glass und Fitness-Tracker sind erst der Anfang: Demnächst können wir Menschen Sensoren immer günstiger implantieren, um geistige und sinnliche Fähigkeiten zu erweitern. Wohin führen diese Erfindungen, die den Menschen zum Cyborg machen? Wie weit können, wollen und dürfen wir gehen? Mario Sixtus, Experte für Digitalen Wandel, moderiert die Diskussion zwischen Johannes S. Ach vom Centrum für Bioethik der Universität Münster, Neil Harbisson (UK), dem weltweit ersten von einer Regierung als Cyborg anerkannten Menschen, und dem Biohacker Rüdiger Trojok. Sind „wir Menschen“ ein Auslaufmodell?

PERSONEN

Johann S. Ach ist Geschäftsführer des Centrums für Bioethik der Universität Münster und beschäftigt sich mit ethischen Problemen der modernen Medizin.

Neil Harbisson (UK) nimmt Farben nur mit dem von ihm mitkonstruierten Eyeborg wahr. Der britisch-katalanische Künstler und Komponist ist Gründer der „Cyborg Foundation“.

Rüdiger Trojok ist Berater beim Büro für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag und erforscht neue Wege, interessierten Bürgern ein molekulares Verständnis der Zusammenhänge zwischen Natur und Zivilisation zu vermitteln.

MODERATION

Mario Sixtus ist Journalist und Blogger, er stellt seine GPS-Position seit 2013 permanent ins Netz. Sixtus beschäftigt sich mit den Themen Digitaler Wandel, Netzkultur und Netzpolitik.

VORTRAG UND GESPRÄCH

Die Kunst des Anfangens

Alles entscheidet sich in den ersten Sekunden. Jeder kennt das kribbelnde Gefühl, wenn ein großartiger Song beginnt. Doch wie beginnt man selbst etwas Neues – richtig? Ist Kreativität der Schlüssel zu einer Zukunft, die nicht nur die Vergangenheit kopiert? Wie lassen sich die Prinzipien der Musik nutzen, um unserem Leben, unserer Arbeit und der Welt, die uns umgibt, einen neuen Impuls zu geben?
Ein Impulsvortrag mit Klangbeispielen und eine anschließende Diskussion werden diesen Fragen auf den Grund gehen.

Elmar Lampson ist Präsident der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Er komponiert, dirigiert und lehrt als Professor u. a. Phänomenologie der Musik.

MODERATION

Corinne Möller ist Juristin und Absolventin der Bucerius Law School. Als Mitglied der „Beta Gruppe“ wirkt Möller seit 2011 am Projekt .vernetzt# mit.

KEYNOTE UND GESPRÄCH

Restart Iceland – Wie erfinden wir uns neu?

Island: ein nordischer Sehnsuchtsort nicht nur für Kulturtouristen, dampfende Geysire inmitten unwirklich schöner Landschaft, Elfen, Trolle und Bjørk. Doch während der Finanzkrise endete der kometenhafte Aufstieg des kleinen Landes jäh — und alles brach in sich zusammen; seitdem ist nichts mehr so, wie es einmal war. Es begann eine kreative Revolution. Einer der Akteure dieses Aufstands ist der Schriftsteller Andri Snær Magnason. Was bleibt, wenn alles verkauft ist? Wie erfindet man sich neu? Wie vermeidet man es, die alten Fehler zu wiederholen? Wenn man seine Träume nicht verrät — dann ist nichts zu spät!

Andri Snær Magnason (IS) ist Schriftsteller und Vordenker einer neuen unideologischen Umweltbewegung Islands. 2010 erhielt er den KAIROS-Preis der Alfred Toepfer Stiftung. Sein Buch „Dreamland“ erklärt den im Rückblick tragischen Turbokapitalismus Islands.

MODERATION

Henrik Demcker Ankerstjerne Schimkus studierte Geschichtswissenschaft und Kulturmanagement. Er arbeitet als Projektreferent im .vernetzt#-Team der ZEIT-Stiftung.

GESPRÄCH

Frisst die Finanzkrise unsere Zukunft?

Die Finanz- und Schuldenkrisen bedrohen die Zukunftsfähigkeit unserer demokratischen Gesellschaften. Als leitender Ökonom des internationalen „Great Transition Project“ sucht der Brite James Meadway nach einem Wirtschaftsmodell, das das Wohl aller in den Grenzen unseres Planeten im Auge hat. Wie könnte ein solcher Wandel aussehen und gelingen?

James Meadway ist Senior Economist bei der New Economics Foundation und forscht dort im „Great Transition Project“ über die grundlegende Neuausrichtung der ökonomischen Perspektive.

MODERATION

Petra Pinzler

TANZ

CHRISTIAN RIZZO / L’ASSOCIATION FRAGILE (FR)
Nach einer wahren Geschichte
[D´APRÈS UNE HISTOIRE VRAIE]

Das .vernetzt#-Zukunftscamp startet zur Kampnagel-Spielzeiteröffnung mit der international gefeierten Tanzproduktion NACH EINER WAHREN GESCHICHTE [D’APRÈS UNE HISTOIRE VRAIE], uraufgeführt beim Festival d’Avignon 2013. Das Stück basiert auf einem Erlebnis, das der Choreograf und bildende Künstler Christian Rizzo in Istanbul hatte und nicht wieder vergessen sollte: Kurz vor einer Performance stürmte eine Männergruppe die Bühne und fing unvermittelt an, einen volkstümlichen Tanz aufzuführen, um kurz darauf ebenso schnell wieder zu verschwinden. Für Rizzo war der Tanz ebenso fremd wie bewegend und das Ereignis war für ihn so prägend, dass er es beinahe zehn Jahre später zum Anlass nahm, sich auf die Suche nach Momenten des Gemeinsamen und Gemeinschaftlichen in folkloristischen Tänzen zu machen. Entstanden ist eine mitreißende Choreographie, die populäre und zeitgenössische, folkloristische und religiöse Gruppentänze verbindet. Zum Soundscape zweier Live-Schlagzeuger bilden sie einen Reigen der Berührungen, aus dem immer wieder neue Konstellationen männlicher Rituale auftauchen. Gibt es bestimmte Bewegungen, Muster oder Formationen, die — egal woher sie stammen — uns alle in Bewegung setzen, uns antreiben und zur Gemeinschaft verbinden? Was macht uns als
Gemeinschaft aus und stark? Mit diesen Fragen beginnt das Zukunftscamp 2014.

FILM

GROWN IN DETROIT

MASCHA & MANFRED POPPENK, NIEDERLANDE, USA 2009 / IN ENGLISCHER SPRACHE
Seit 1995 hat Detroit über die Hälfte seiner 2 Mio. Einwohner verloren. Ein Drittel aller Grundstücke wird nicht mehr bewohnt, über 35.000 Häuser stehen leer. Detroit ist die größte „Shrinking City“ der Welt. Diese Implosion birgt auch Möglichkeiten, mit dem Szenario einer Postwachstumszeit zu experimentieren. So gründeten sich Initiativen wie etwa „Grown in Detroit“, die verlassene Grundstücke landwirtschaftlich nutzt, und die Stadt entwickelt sich langsam zu einer großen städtischen Farm. Der Film zeigt, wie Menschen sich eine neue Perspektive aus einer Krise heraus erarbeiten, von der sie nicht dachten, dass sie sie beeinflussen könnten.

Kurator: Holger Kraus, Flexibles Flimmern
www.flexiblesflimmern.de

WORKSHOP

Ein besseres Hamburg ist möglich!

Immer mehr Menschen wollen ihr eigenes Lebensumfeld mitgestalten und nicht nur auf die Initiative der Stadt warten. Die Ideen in den Köpfen der Bürger reichen von der Umgestaltung eines Platzes bis hin zu handfesten Bauprojekten. Doch wie wird aus Ihrer Idee ein Projekt? Oft fehlen die notwendigen Mittel und das Wissen, Ideen umzusetzen. Hier hilft das neue Projekt Stadtmacher: Es gibt Wissen zum Aufbau von Bürgerprojekten weiter und ist zugleich Crowdfunding-Plattform, über die erste Schritte oder ganze Projekte finanziert werden können. Auf dem Zukunftscamp haben Sie einen Tag lang die Möglichkeit, die Stadtmacher kennen zu lernen, Stadt selber zu machen und Ihre Projektidee für Hamburg zu entwickeln.

Stadtmacher ist ein Projekt des Bürger-Stadt-Labors Nexthamburg.
www.nexthamburg.de
Julian Petrin ist Urbanist, Stadtforscher und Leiter des Thinktanks Nexthamburg.

 
WORKSHOP UND PRÄSENTATION

DOMO / morethanshelters

 
Vom Überlebensraum zum Lebensraum – globale Herausforderungen und lokale Bedürfnisse in Flüchtlingscamps: morethanshelters entwickelt nutzerangepasste Konzepte für die humanitäre Hilfe. Im Flüchtlingscamp im jordanischen Za‘atari entwickelt das Team um Daniel Kerber innovative Lösungen mit und für 100.000 syrische Flüchtlinge. Im Rahmen des .vernetzt#-Kongresses präsentiert morethanshelters das modulare Unterkunftssystem „DOMO“, das Betroffene zu aktiv Gestaltenden ihres temporären Lebensraums macht. In zwei „Social Design“-Workshops werden Ideen zur Verbesserung der Lebensbedingungen vor Ort erarbeitet.Morethanshelters, „Weltverbesserer“-Preisträger 2014 der ZEIT und der ZEIT-Stiftung.

Daniel Kerber ist Gründer und Geschäftsführer von morethanshelters. Neben der Entwicklung des humanitären Unterkunftssystems „DOMO“ arbeiten er und sein Team aktuell am Aufbau der weltweit ersten „Innovations- und Planungsagentur“ (IPA) im Flüchtlingslager im jordanischen Za‘atari.
www.morethanshelters.com

IMPULS UND GESPRÄCH

Hybris, Apokalypse – oder: Was tun?

Unsere Gesellschaft ist überfordert. Sie hat sich in krankhaft wuchernden Wirtschaftsaktivitäten, veralteten Bildungs- und Infrastrukturen, aus dem Ruder laufenden Großprojekten und unkontrollierbaren Datenmengen verfangen: in menschlicher Hybris. Wie finden wir zu einem menschlichen Maß in all diesen Dimensionen zurück? Darüber diskutiert der Sozialwissenschaftler und Zukunftsforscher Meinhard Miegel mit der Journalistin Greta Taubert, die ein Jahr lang alternative Lebensstile erforscht und erprobt hat. Zum Abschluss treffen alle vier Auftaktredner aufeinander und diskutieren ihre Perspektiven mit dem Publikum.

IMPULS

Meinhard Miegel ist Sozialwissenschaftler und Vorstandsvorsitzender der Stiftung „Denkwerk Zukunft“. Miegel ist ein öffentlicher Mahner hinsichtlich der Zukunftsfähigkeit der sozialen Sicherungssysteme und zweifelt an der vorherrschenden Wachstumsideologie.

Greta Taubert ist Reporterin und Autorin u. a. für die FAS und DIE ZEIT. Ihr Buch „Apokalypse jetzt!“ ist Ergebnis eines einjährigen Selbstversuchs: Mit welchem Lebensstil meistert man das Leben nach dem Crash der Konsumgesellschaft?

Gespräch mit: Greta Taubert, Stephen Emmott (UK), Meinhard Miegel und Reiner Klingholz

MODERATION

Mathias Greffrath

DISKUSSION

BIG DATA und wir – Ist eine freie digitale Gesellschaft möglich?

Während man im Silicon Valley lange von einer besseren digitalen Gesellschaft geträumt hat, markieren Edward Snowdens Enthüllungen die erste große Zäsur im digitalen Zeitalter. Ist die Vision eines freien Netzes noch haltbar? Nicht nur Geheimdienste und Cyber-Kriminelle, auch Firmen wie Facebook und Google nutzen unsere digitalen Spuren, um alles über uns zu lernen. Dadurch erlangen sie zunehmend Macht. Gerät unsere Demokratie dadurch ins Wanken? Helfen neue Spielregeln — oder ist es Zeit für aktiven Widerstand durch uns User?

PERSONEN

Yasmina Banaszczuk schreibt und bloggt als „Frau Dingens“ netzpolitische Analysen und beleuchtet als Autorin vernetzte Strukturen in Politik und Popkultur.

Johannes Caspar ist Hamburgs Datenschutzbeauftragter. Er stritt mit Google über Street View, mit Facebook über die automatisierte Gesichtserkennung und warnt vor „digitaler Tätowierung“.

Malte Spitz ist Bundespolitiker der Grünen, Digital Native und Experte für Netzpolitik. Er veröffentlicht neben seinen Vorratsdaten regelmäßig Artikel zum Digitalen Wandel. Im Oktober erscheint sein Sachbuch „Was macht ihr mit meinen Daten?“

MODERATION

Heinrich Wefing ist stellvertretender Ressortleiter Politik der ZEIT und Autor der „Gebrauchsanleitung für Kalifornien“.

DISKUSSION

Der überflüssige Mensch – Macht uns das Internet arbeitslos?

Der „Economist“ hat im Frühjahr die Studie von Carl Frey veröffentlicht, laut der 47 Prozent aller Berufe demnächst vom Aussterben bedroht sind, weil Algorithmen und Roboter den Job besser, schneller und günstiger erledigen. Welche Konsequenzen entstehen aus dem technologisch Machbaren für uns als Gesellschaft? Wird der Mensch tatsächlich überflüssig, wenn wir künftig jede Arbeit, die von einer Maschine erledigt werden kann, auch wirklich an sie delegieren — oder wird sich unser Verständnis von Arbeit grundlegend verändern (müssen)?

PERSONEN

Constanze Kurz ist Mitglied im IG Metall-Vorstand und leitet dort das Ressort „Zukunft der Arbeit“. Sie ist Autorin von „Industrie 4.0 – Der Mensch im Mittelpunkt, aber wie kommt er dahin?“

Carl Frey (SE) ist Ökonom und forscht in Oxford über die Wirkungen von Zukunftstechnologien. Laut seiner Studie „Die Zukunft der Beschäftigung“ sind 47 Prozent aller Berufsarten hochgradig durch Computerisierung bedroht.

Frank Rieger ist Sprecher des Chaos Computer Clubs und hat mit seiner Kollegin Constanze Kurz die aktuelle Automatisierung in deutschen Unternehmen erforscht. Daraus entstand das Buch „Arbeitsfrei – Eine Entdeckungsreise zu den Maschinen, die uns ersetzen“.

MODERATION

Lena Schiller Clausen war Mitgründerin des ersten „betahaus Hamburg“. Ihr aktuelles Buch „New Business Order“ reflektiert neue Arbeitsformen im digitalen Zeitalter.

DISKUSSION

Digitale Demokratie – Hunger nach Realität?

Es ist einfach, den arabischen Frühling zu „liken“. Aber es erfordert Mut, auf der Straße demonstrieren zu gehen. Gibt es überhaupt so etwas wie digitale Solidarität und Gemeinschaft? Brauchen wir wieder „mehr Realität“, um die wahren Probleme zu lösen? Der Schriftsteller Peter Glaser kritisierte die deutschen Internetuser mit dem kurzen Twitter-Satz: „Zu ich, um wir zu sein!“ Was fehlt der politisch engagierten Netzgemeinde, um die Schlagkraft etwa der 68er-Generation zu erreichen? Gibt es überhaupt eine Gemeinschaft im Netz? Können wir das Internet und uns selbst darin als demokratischen Ort kultivieren? Darüber diskutiert der Philosoph Markus Gabriel mit dem Soziologen Urs Stäheli.

PERSONEN

Markus Gabriel ist Philosoph und Professor an der Universität Bonn. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen der Erkenntnistheorie, Metaphysik, Religionsphilosophie und Ästhetik.

Urs Stäheli ist Professor für allgemeine Soziologie an der Universität Hamburg und plädiert dafür, dem Vernetzungsimperativ skeptisch zu begegnen.

MODERATION

Carolin Wiedemann promoviert über Formen von Kollektivität und Widerstand in Zeiten der Informatisierung und arbeitet als freie Journalistin u. a. für die FAS und SpiegelOnline.

LESUNG

Rasende Ruinen – was kommt nach dem Industriezeitalter?

Detroit, die Motor Town, war einst Zentrum des amerikanisches Traums. Doch seit die Autoindustrie ihre Fabriken ins Ausland verlagerte, implodierte die Stadt und meldete schließlich Bankrott an. Die Einwohnerzahl schwindet, doch die verbliebenen Menschen erfinden die Stadt grundlegend neu — als Metropole von morgen. Was können wir von ihnen lernen?

Katja Kullmann schreibt Bücher, Essays, Erzählungen, Reportagen und Kolumnen über gesellschaftspolitische Themen u. a. für die FAZ und den Freitag. 2012 erschien ihre Reportage „Rasende Ruinen. Wie Detroit sich neu erfindet“.
MODERATION

Johannes Schneider ist Journalist und schreibt als Redakteur für den Tagesspiegel.

LESUNG UND GESPRÄCH

Schöner Scheitern – Brauchen wir einen Neustart?

Wir leben im Zeitalter der gesellschaftlichen, politischen, ökologischen und ökonomischen Dauerkrisen. Daran haben wir uns gewöhnt. Oder doch nicht? Überfordert uns persönlich die Freiheit in der postmodernen Gesellschaft? Warum kämpfen wir dennoch — was treibt uns an? Haben Krisen ein konstruktives, sinnstiftendes Element?
Drei Autoren zeigen ihre Sicht auf die Krise, Neuanfänge und die Kunst des Scheiterns mit dem Philosophen Thomas Vašek.

PERSONEN

Kerstin Bund, Autorin des Buches „Glück schlägt Geld – Generation Y: Was wir wirklich wollen“, ist Redakteurin der ZEIT.

Dirk Knipphals ist Literaturredakteur der taz und Autor des Buches „Kunst der Bruchlandung. Warum Lebenskrisen unverzichtbar sind“.

Greta Taubert beschreibt in „Apokalypse jetzt“ die Ergebnisse ihres Selbstversuchs: Mit welchem Lebensstil man das Leben nach dem Crash der Konsumgesellschaft meistert — darüber spricht sie bereits um 13:00 Uhr in der Veranstaltung „Hybris, Apokalypse – oder: Was tun?“ in K6.

MODERATION

Thomas Vašek ist Chefredakteur des philosophischen Magazins Hohe Luft und Buchautor. Zuletzt erschien von ihm „Work-Life-Bullshit: Warum die Trennung von Arbeit und Leben in die Irre führt“.

LECTURE PERFORMANCE

Katarina Stegnar – DOUBLE GAME

DOUBLE GAME ist eine Lecture-Performance über eine gespaltene Persönlichkeit. Die slowenische Performerin, Schauspielerin und Tänzerin Katarina Stegnar spielt sich selbst — bzw. die Rolle eines jeden, der weiß, dass er in die falsche Richtung steuert. Die Umwelt bricht zusammen, die Welt ist voller Ungleichheit — und als eine sich sorgende Bürgerin nutzt sie die Gelegenheit eines Vortrags, um ihren Zuhörern die Konsequenzen ihrer aktuellen Lebensweisen aufzuzeigen. Und Katarina hat eine Lösung. Eine direkte, klare Lösung für diese Welt, für jeden!

Auf der anderen Seite gibt es eine andere Katarina; eine, die dem positiven Denken entgegensteht; eine, die sich selbst am nächsten ist. Diese Katarina würde sich selbst nie einem höheren Zweck unterordnen. Welche Version von Katarina wird sich durchsetzen?

Katarina Stegnar (SI) ist Schauspielerin und Tänzerin. Sie gilt als eine der vielseitigsten Performerinnen der zeitgenössischen slowenischen Szene.

THEATER

Ulrich Rasche / Nis-Momme Stockmann
DIE KOSMISCHE OKTAVE

Für DIE KOSMISCHE OKTAVE lässt sich Regisseur Ulrich Rasche von Goethes „Wahlverwandtschaften“ inspirieren, versieht den Stoff jedoch mit einem gänzlich neuen Text des mehrfach ausgezeichneten jungen Dramatikers Nis-Momme Stockmann. Im Zentrum des Theaterabends stehen die inneren Konflikte des Selbst in der Jetzt-Zeit.

Der Protagonist des Dramas ist ein junger Autor, der in einer Art Selbstgespräch zu ergründen sucht, warum er noch immer an alten Idealen wie Ehe, Familie und Heimat hängt, obwohl diese längst nicht mehr lebbar scheinen. Warum fällt es heute so schwer, „Ich liebe Dich“ zu sagen? Braucht es nur neue Begriffe — oder sind in dieser Welt keine „echten“ Gefühle (mehr) möglich? Wann hat das angefangen? Mit diesen Fragen an die Fragilität der Spätmoderne leitet das Stück in die Thematik des diesjährigen Zukunftscamps ein.

SCIENCE SLAM

Science Slam

Junge Wissenschaftler aus ganz Deutschland haben beim SCIENCE SLAM zehn Minuten Zeit, um ihr Forschungsprojekt in einem unterhaltsamen Vortrag vorzustellen. Rund um die Themen des Zukunftscamps geben sie Einblick in ihre aktuelle Arbeit. Beim SCIENCE SLAM verlässt die Wissenschaft den Elfenbeinturm, geht neue Wege der Wissensvermittlung und stellt sich der Popkultur. Das Publikum ist die Jury.

MODERATION

Julia Offe sucht als Wissenschaftsjournalistin neue Formen der Wissenschaftskommunikation und hat das Format SCIENCE SLAM populär gemacht.
www.scienceslam.de

FILM

EMPIRE ME –
DER STAAT BIN ICH!

PAUL POET ÖSTERREICH, LUXEMBURG , DEUTSCHLAND 2011
DAUER: CA. 100 MIN.,
Wer hat sich noch nie vorgestellt, aus seinem Alltag auszubrechen und ein völlig neues Leben — jenseits aller Konventionen und Zwänge — zu beginnen? Der Traum von Utopia, vom besseren Leben im irdischen Paradies wird von Menschen seit jeher und in immer neuen Versionen geträumt. Doch lassen die zunehmend engmaschigen Lebensprinzipien der globalisierten Weltordnung kaum Alternativen und Visionen zum Bestehenden zu. Jetzt macht ein Phänomen damit Schluss: Immer häufiger werden Gegengesellschaften gegründet. Auf der Suche nach einer idealen Lebenskultur entstehen Hunderte Do-it-yourself-Staaten als eigene kleine Welten.

Kurator: Holger Kraus, Flexibles Flimmern
www.flexiblesflimmern.de

AUSSTELLUNG

All is lost – Ecosystem of Excess

Am Strand der Schleimünde hinterlässt die türkische Künstlerin Pinar Yoldas farbige Muscheln, die an die Farben der neuen iPhones erinnern. Sie zeigt in ihrer Arbeit eine spekulative Zukunft, ein Ökosystem, das sich vom Plastikmüll unserer Zivilisation nährt.

Was bleibt übrig, wenn wir vieles verlieren, von dem wir glauben, dass es uns ausmacht? Was müssen wir verteidigen? Was macht uns aus, als Mensch, als Gesellschaft, als Zivilisation? Der Raum konfrontiert den Zuschauer mit den Kernfragen des Kongresses.

Pinar Yoldas (TUR) ist eine kosmopolitische Künstlerin und Stipendiatin der Schering Stiftung, für die sie die spekulativen Arbeiten „An Ecosystem of Excess“ entwarf. Yoldas diskutierte diese mit Künstlern des unmarked_space Festivals im Vorfeld des Zukunftscamps. Ein Teil der Arbeit wird hier gezeigt.

CRYPTO CORNER

SAVE MY PASSWORD!

 
Es gibt keine absolute Sicherheit im Netz — aber wir können einiges selbst in die Hand nehmen. An diesem Infostand zeigen Experten kontinuierlich, wie Jeder seine Mails, seine Passwörter und seine digitalen Daten besser sichern kann. Bringen Sie Ihre Fragen und Laptops mit! Der Infostand wird in Kooperation mit dem Chaos Computer Club Hamburg und dem Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung präsentiert.

VERNETZT# – Das Zukunftscamp ist ein Gemeinschaftsprojekt der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius mit und auf Kampnagel.

Projektteam .vernetzt# der ZEIT-Stiftung
Projektleitung & Konzeption Daniel Opper
Referenten Dieter Ripberger, Henrik D. A. Schimkus
Kommunikation Frauke Hamann
Pressearbeit Kerstin Domscheit
Design Jan Wagner, BRANDMEISTER DESIGN

Projektteam Kampnagel
Künstlerische Leitung Amelie Deuflhard, Uta Lambertz
Leitung Kommunikation Mareike Holfeld
Marketing Julia Kulla
Produktionsleitung Christine Focken
Technische Leitung Jörn Walter

Wir danken dem gesamten Team der ZEIT-Stiftung
und Kampnagel für die Unterstützung unserer Teams!
Ebenso danken wir allen Partnern der Reihe .vernetzt#,
die uns im letzten Jahr inhaltlich begleitet haben:

Eine Initiative der 
Zeit Stiftung
In kooperation mit
kampnagel