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What matters next? Wie das Netz ein neues Wir fördern könnte

Die #blacklivesmatter-Proteste zeigen: Gesellschaftliche Gleichberechtigung ist noch längst nicht erreicht. Aber wegschauen lässt sich dieses Mal kaum – zu drastisch sind die Bilder jüngster Polizeigewalt in den USA, die millionenfach über soziale Medien geteilt wurden. Damit rücken Facebook, Twitter und Co. auch wieder in den Fokus der öffentlichen Debatte. Was ist ihre Rolle? Katalysieren sie progressiven Aufbruch, oder vielmehr die tiefere Spaltung unserer Gesellschaften, indem sie Ressentiments, Fake News, Diskriminierung und Hass fördern? Sollen die Plattformbetreiber sich bei all dem neutral verhalten oder Beiträge offensiv mit Warnhinweisen versehen – wie zuletzt bei Tweets von Donald Trump? Wer urteilt aber am Ende über die richtigen gesellschaftlichen Normen? Was darf gesagt und gezeigt werden?

„Wir müssen uns das Netz zurückholen“, fordert Tim Berners-Lee, der vor 30 Jahren das World Wide Web aus der Taufe gehoben hat. „Nie zuvor waren die guten Kräfte des Internets mehr bedroht als heute.“ Welche Ansätze gibt es, um diesen guten Kräften wieder mehr Gewicht zu verleihen? Welche Verantwortung kommt uns als Nutzern und Bürgern zu? Wie gelingt es uns, eine Sprache der Zivilität zu finden, die alle erreicht? Und wie werden wir (doch noch) zu einer offenen digitalen Weltgesellschaft?

Darüber sprach Christine Watty, Deutschlandfunk Kultur, in der Bucerius Lab Digital Lunch Session #6 mit dem Medienwissenschaftler Prof. Dr. Bernhard Pörksen, der sich in seinem kürzlich erschienenen Buch „Die Kunst des Miteinander-Redens. Über den Dialog in Gesellschaft und Politik“ (mit Friedemann Schulz von Thun) mit  Kommunikationskultur in Zeiten von Hass, Hetze und Fake News auseinandersetzt. Außerdem war die Autorin und Netzaktivistin Kübra Gümüşay zu Gast, die sich in ihrem aktuellen Buch „Sprache und Sein“ ebenfalls der Frage widmet, wie Sprache unser Denken und die Politik beeinflusst. Ebenfalls zu Gast war der Würzburger Anwalt für IT-Recht Chan-jo Jun, der vor einigen Jahren mit einer Klage gegen Facebook wegen verleumderischer Beiträge über seinen Mandanten Aufsehen erregte. 

Gäste:

  • Prof. Dr. Bernhard Pörksen, Professor für Medienwissenschaft, Universität Tübingen
  • Kübra Gümüşay, Journalistin, Autorin und Netzaktivistin
  • Chan-jo Jun, Anwalt für IT-Recht

Moderation: Christine Watty, Deutschlandfunk Kultur

    Die Digital Lunch Session ist eine Veranstaltung des Bucerius Lab der ZEIT-Stiftung in Kooperation mit dem betahaus Hamburg.

    Digital Lunch Session #6

    Donnerstag, 25. Juni 2020
    12.00-13.15 Uhr

    Die Veranstaltung fand als öffentliche Zoom-Konferenz statt. 

    Wenn Sie über die Veranstaltungstermine des Bucerius Labs informiert werden möchten, tragen Sie sich bitte in unseren Verteiler ein: 

    Gäste

    Foto: Albrecht Fuchs

    Dr. Bernhard Pörksen

    ist Professor für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen. Er erforscht die Macht der öffentlichen Empörung und die Zukunft der Reputation und veröffentlicht – neben wissenschaftlichen Aufsätzen – Essays und Kommentare in Zeitungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. 2018 erschien Pörksens viel beachtete Analyse der digitalen Öffentlichkeit: »Die große Gereiztheit. Wege aus der kollektiven Erregung« (Hanser-Verlag). Anfang 2020 publizierte er das Buch »Die Kunst des Miteinander-Redens. Über den Dialog in Gesellschaft und Politik« (Hanser-Verlag) gemeinsam mit dem bekannten Kommunikationspsychologen Friedemann Schulz von Thun.

    Kübra Gümüsay

    Kübra Gümüşay

    ist Autorin und Aktivistin. Sie schreibt und referiert zu den Themen Internet, Politik, Feminismus & Rassismus. Ihr Buch »Sprache & Sein« ist im Frühjahr 2020 bei Hanser Berlin erschienen. Sie ist Co-Gründerin von eeden, einem feministischen co-creation space in Hamburg, sowie zahlreicher Kampagnen und Vereine – u.a. die Antirassismus-Kampagne #SchauHin, das feministische Bündnis #ausnahmslos und die Kampagne »Organisierte Liebe«. Sie ist Fellow des Progressiven Zentrums und Associate Expert am Center for Intersectional Justice. Ihr Blog ein-fremdwoerterbuch.com wurde 2011 für den Grimme Online Award nominiert. Das Magazin Forbes zählte sie 2018 zu den Top 30 unter 30 in Europa im Bereich Media und Marketing.

    Chan-jo Jun

    betreibt eine Rechtsanwaltskanzlei für IT-Recht mit elf Anwälten in Würzburg. Bekannt wurde er durch sein juristisches Engagement gegen Hasskriminalität auf Facebook, mit dem er Ermittlungsverfahren gegen Mark Zuckerberg und andere Facebook-Manager ins Rollen und Facebook vor Gericht brachte. Mit seinem Team arbeitet Jun am Einsatz von künstlicher Intelligenz zur Lösung rechtlicher Aufgaben in Rechtsabteilungen. Eine besondere Spezialität liegt im Bereich des Software-Lizenzrechts, insbesondere bei Open Source Software. Zu seinen Mandanten gehören sowohl mittelständische Softwareunternehmen, als auch Automobilhersteller; ein Teil der Arbeitszeit im Team ist jedoch für unbezahltes gesellschaftliches Engagement reserviert.